Die Formen der Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie

Was Sie bei einer Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie wissen sollten

Die Lebenszeit eines erfolgreichen Unternehmens ist praktisch unbegrenzt. Viele Unternehmer hingegen möchten sich beizeiten in ihren wohlverdienten Ruhestand zurückziehen. Doch was geschieht dann mit dem bestehenden Unternehmen?

Ein Erbvertrag zum regeln der Unternehmensnachfoge verhindert Konflikte.

Um dessen Fortbestehen zu sichern und Arbeitsplätze zu sichern, muss es zwangsläufig in neue Hände übergeben werden. Nach Hochrechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn werden von 2014 bis 2018 etwa 135.000 Unternehmen auf der Suche nach einem Nachfolger sein.

Soll das Unternehmen im Besitz der Familie bleiben, bieten sich verschiedene Möglichkeiten einer Eigentumsübertragung an.

Die vorweggenommene Erbfolge bzw. Schenkung

Bei der vorweggenommenen Erbfolge bzw. Schenkung an Kinder oder andere Familienmitglieder wird noch zu Lebzeiten des Unternehmers durch einen Schenkungsvertrag das Unternehmen unentgeltlich übertragen. Hier sollte zusätzlich noch geregelt werden, wer die unternehmerische Verantwortung übernehmen soll.

Die schrittweise Schenkung oder ein Verkauf der Geschäftsanteile

Eine weitere Möglichkeit ist eine schrittweise Schenkung oder ein Verkauf der Geschäftsanteile an einen oder mehrere familieninterne oder –externe Nachfolger. Der Vorteil dieser Unternehmensnachfolge liegt darin, dass der abgebende Unternehmer bis zur vollständigen Übergabe Einfluss auf die Unternehmensführung behält.

Sei es, dass er dem Unternehmen per Honorarvertrag verbunden bleibt oder als Beirat. Er kann und soll sich weiterhin einbringen. Eine Variante, die insbesondere bei den Mitarbeitern oftmals zu höherer Akzeptanz der Veränderung führt. Nicht ohne Grund boomt Change Manament im Mittelstand.

Gleichzeitig können die familieninternen Nachfolger auf diese Weise behutsam in ihre neue Rolle hineinwachsen. Der Senior steht – in dosiertem Maße – weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung.

Die gesetzliche Erbfolge

Der Vollständigkeit halber: Die gesetzliche Erbfolge ist als Form der Unternehmensnachfolge wenig ratsam, besonders in Fällen von großen Erbengemeinschaften: Die Erbengemeinschaft muss sonst nach der Übertragung alle betrieblichen Entscheidungen einstimmig treffen.

Durch diese mitunter verzwickte Konstellation werden wichtige unternehmerische Entscheidungen schwierig zu fällen sein – das Unternehmen könnte unter diesem Schwebezustand stark leiden.

Um eine solche Hängepartie für das Unternehmen zu vermeiden, sollte im Gesellschaftsvertrag vereinbart werden, dass die Gesellschafter jeweils ein Testament errichten müssen, in dem sie Testamentsvollstreckung anordnen.

Der Testamentsvollstrecker – das kann zum Beispiel der Steuerberater oder Rechtsanwalt des Vertrauens sein – vertritt dann die Interessen des Nachlasses. Dies führt zu einer wesentlich geordneteren Kommunikation und damit zu schnelleren Entscheidungen. Außerdem kann im Gesellschaftsvertrag geregelt werden, dass sich die Erben im Falle der Erbengemeinschaft auf einen Sprecher aus ihrem Kreise einigen müssen.

Fehlt eine solche Regelung, spricht jeder Erbe für sich allein – das Unternehmen, das nach dem Ableben des Seniors schon ausreichend auf die Probe gestellt wird, muss sich dann auch noch mit einer zerstrittenen Erbengemeinschaft und mehreren Erben als Ansprechpartner herumärgern.

Nachfolgeregelung per Testament

Im Übrigen lässt sich die Unternehmensnachfolge auch per Erbvertrag oder Testament regeln. Auf diese Weise kann festgelegt werden, welchen Erbanteil die Nachkommen jeweils erhalten. Der Erbvertrag hat gegenüber dem Testament den Vorteil, dass beim Erbvertrag alle Betroffenen zugestimmt haben müssen.

Späterer Streit in der Familie ist dadurch eher ausgeschlossen als im Falle des einseitigen Testaments. Dies ist für den abgebenden Unternehmer oftmals ein beruhigendes Gefühl: „Ich habe alles geregelt, meine Nachkommen werden sich nicht streiten.“

Gibt es ein Testament, beruft sich oft der benachteiligte Erbe darauf, der Testierende sei geistig nicht mehr in der Lage gewesen, ein Testament wirksam aufzusetzen. Außerdem führt eine Nachfolgeregelung per Testament eher dazu, dass ein Nachkomme gegenüber den testamentarisch berufenen Erben seinen gesetzlichen Pflichtteil geltend macht.

Ist der testamentarisch bedachte Erbe, der den Streit mit seinen Miterben befürchten muss, gut beraten, kann er sein Erbe aus strategischen Gründen ausschlagen: Mit der Ausschlagung ist ihm die Geltendmachung des gesetzlichen Pflichtteils eröffnet.

Der Clou an der Sache: Der Erbe erwirbt einen ideellen Anteil an der gesamten Vermögensmasse (ungeteilte Erbengemeinschaft). Derjenige hingegen, der seinen Pflichtteil geltend macht, hat einen Geldzahlungsanspruch. Für viele Nachkommen die wesentlich bessere Lösung: Sie können sofort ihre erbrechtlichen Ansprüche monetär umsetzen.

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2018-10-29T11:47:32+00:00 Von |Unternehmensnachfolge|

Über den Autor:

Dr. Niels George ist erfahrener Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht sowie für Steuerrecht. Außerdem ist er Anwalt für Erbrecht. Die Kanzlei George und Partner unterstützt und begleitet ihre Mandanten in all Ihren Stadien als Geschäftsführer und Gesellschafter.

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