Die Kommanditgesellschaft

Die Kommanditgesellschaft (KG) ist für viele eine unbekannte Rechtsform in Deutschland. Es lohnt sich jedoch, einen genauen Blick auf die Details der KG zu werfen.

In den folgenden Textabschnitten befassen wir uns mit den Besonderheiten der Kommanditgesellschaft, wie Sie eine Kommanditgesellschaft gründen und was bei der Haftung beachtet werden muss.

Was ist eine Kommanditgesellschaft?

Die Kommanditgesellschaft (KG) ist eine Personengesellschaft und eine Sonderform der Offenen Handelsgesellschaft (OHG).

Die Kommanditgesellschaft ist als Rechtsform für viele noch unbekannt.

Die Kommanditgesellschaft besitzt mindestens einen persönlich haftenden und einen beschränkt haftenden Gesellschafter, die ein gemeinsames Handelsgewerbe betreiben.

Allgemein zeichnen sich Personengesellschaften dadurch aus, dass mindestens ein persönlich haftender Gesellschafter vorhanden ist, der mit seinem gesamten Vermögen unbegrenzt für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft haftet.

Die Kommanditgesellschaft hingegen ist die einzige Mischform unter den Personengesellschaften. Sie hat neben diesen persönlich haftenden Gesellschaftern noch mindestens einen weiteren Gesellschafter, der beschränkt mit seiner Kapitaleinlage haftet.

Der Gesellschafter, der mit seinem gesamten Vermögen haftet, wird als Komplementär bezeichnet. Der Gesellschafter, der lediglich mit seiner Hafteinlage haftet, heißt hingegen Kommanditist.

Neuerscheinung am 16.06.2017

„Aufsichtsrat kompakt – Basiswissen mit Schaubildern“

Aufsichtsrat kompakt – Basiswissen mit Schaubildern

Michael Beyer / Reinhard Heyd / Niels George

Mehr erfahren

Wie wird eine Kommanditgesellschaft gegründet?

Vor der Gründung einer Kommanditgesellschaft kommt es zwischen mindestens einem Kommanditisten und einem Komplementär zum Abschluss eines Gesellschaftsvertrages. Es werden also mindestens zwei Gesellschafter  benötigt, um eine KG zu gründen.

Durch den Abschluss eines Gesellschaftsvertrags zwischen den Komplementären und dem Kommanditisten wird eine KG gegründet. Es werden die Grundsätze der Kommanditgesellschaft verbindlich vereinbart, die Einlagen der einzelnen Kommanditisten und zum Beispiel auch die Kündigungsmodalitäten festgehalten.

Die Gesellschafter einer Kommanditgesellschaft sind nicht dazu verpflichtet, den Gesellschaftsvertrag in schriftlicher Form zu verfassen. Jedoch lohnt es sich, ihn in all seinen Details schriftlich aufzusetzen und von allen beteiligten Gesellschaftern unterschreiben zu lassen. Die Unterstützung eines ist dabei eine große Hilfe.

Die Gesellschafter können sich somit auf allen Ebenen rechtlich absichern und gehen möglichen Konflikten aus dem Weg, bevor diese überhaupt entstehen können. Das schafft eine solide Basis, auf der sich eine Kommanditgesellschaft erfolgreich aufbauen lässt.

Sobald der Gesellschaftsvertrag steht und notariell beurkundet wurde, wird die Kommanditgesellschaft im Handelsregister eingetragen. Dabei werden alle Gesellschafter und die Einlagebeträge der Kommanditisten angegeben.

Nicht selten werden schon vor der Eintragung die Geschäfte aufgenommen. Das ist durchaus möglich, aber haftungsrechtlich nicht zu empfehlen: Für die Kommanditisten besteht erst mit der Eintragung in das Handelsregister und mit erfolgter Erbringung der vereinbarten Einlage eine Haftungsbeschränkung.

Vorher haften auch die Kommanditisten uneingeschränkt mit ihrem Privatvermögen für die Verbindlichkeiten der Kommanditgesellschaft.

Nach der Eintragung ins Handelsregister sollte spätestens jetzt ein Geschäftskonto eingerichtet werden. Zu guter Letzt folgt die Gewerbeanmeldung.

Wer übernimmt die Haftung bei einer Kommanditgesellschaft bzw. bei der GmbH & Co. KG?

Die Kommanditgesellschaft gehört zu den Personengesellschaften. Jedoch stellt sie aufgrund ihrer zwei unterschiedlichen Gesellschafter einen Sonderfall dar.

Es haften nicht alle KG-Gesellschafter uneingeschränkt mit ihrem Privatvermögen: Die Komplementäre haften grundsätzlich unbegrenzt mit ihrem Privatvermögen.

Die Kommanditisten hingegen haften für die Schulden der Gesellschaft mit einer von ihnen erbrachten, vertraglich festgehaltenen und im Handelsregister eingetragenen Vermögenseinlage.

Die Haftung ist für den Kommanditisten der Höhe nach auf diese Einlage beschränkt. Vorsicht ist im Falle der Rückzahlung der Haftungseinlage geboten: Die unbeschränkte Haftung lebt dadurch wieder auf.

Der Kommanditist verpflichtet sich im Gesellschaftsvertrag dazu, eine bestimmte Einlage in die Gesellschaft einzuzahlen. Diese Einlage wird für jedermann einsehbar im Handelsregister eingetragen und der Höhe nach angegeben.

Bevor der Kommanditist seine Einlage nicht erbracht und der Gesellschaft in voller Höhe zur Verfügung gestellt hat, haftet er mit seinem Privatvermögen. Erst, wenn die Einlage auch im Handelsregister eingetragen wurde, ist eine persönliche Haftung ausgeschlossen.

Im Streitfall ist es die Pflicht des Kommanditisten, zu beweisen, dass er die vereinbarte Einlage in voller Höhe erbracht hat.

Der Betrag der Einlage kann sich im Laufe der Zeit nach oben bzw. nach unten verändern. Jede Veränderung muss im Gesellschaftsvertrag und im Handelsregister aufgenommen werden. Gläubiger sind sonst in der Lage, die beschränkte Haftung des Kommanditisten anzufechten.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist zusätzlich zu beachten, dass die Haftungsbeschränkung des Kommanditisten erst mit der Eintragung in das Handelsregister einsetzt. Solange dies nicht geschehen ist, haftet er uneingeschränkt persönlich.

Tritt ein Kommanditist in eine schon bestehende Kommanditgesellschaft ein, haftet dieser laut § 173 HGB auch für die schon bestehenden Verbindlichkeiten mit seiner Hafteinlage. Bei der Übernahme einer bestehenden Beteiligung eines Kommanditisten durch einen neuen Gesellschafter entfällt die private Haftung des neuen Kommanditisten mit der Übernahme der erworbenen Beteiligung.

Für die Verbindlichkeiten, die zwischen Eintritt des neuen Kommanditisten und Eintragung in das Handelsregister entstehen, haftet der neue Kommanditist laut § 176 Abs. 2 HGB unbeschränkt. Durch eine aufschiebende Bedingung einer Eintragung in das Handelsregister kann dieser temporären unbeschränkten Haftung aus dem Weg gegangen werden.

Wenn Sie erfahren möchten, wie sich diese Aufschiebung gestaltet, kontaktieren Sie uns einfach!

Bei der GmbH & Co. KG ist die GmbH die Komplementärin, die unbeschränkt haftet. Allerdings haftet eine GmbH nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen.

Die eigentlich bei der Komplementärin unbeschränkte Haftung wird also dadurch reduziert, dass durch die GmbH eine haftungsbeschränkte Gesellschaftsform gewählt wird. Auf diese Weise lassen sich die Vorteile einer Personengesellschaft (KG) mit den Vorzügen einer Haftungsbeschränkung (GmbH) kombinieren.

Wer übernimmt die Führung einer Kommanditgesellschaft?

Grundsätzlich werden die Komplementäre mit der Geschäftsführung und der Vertretung der Kommanditgesellschaft nach Außen beauftragt.

Jedoch kann davon durch entsprechende Regelungen im Gesellschaftsvertrag bzw. durch bestimmte Vollmachten oder Prokura abgewichen werden. Auch bei außergewöhnlichen Geschäften haben alle Gesellschafter, also auch die Kommanditisten, ein Mitspracherecht.

Was bedeutet “Kommanditgesellschaft auf Aktien”?

Die Kommanditgesellschaft auf Aktien, oder kurz KGaA, vereint die Eigenschaften der Aktiengesellschaft (AG)  und der Kommanditgesellschaft (KG). Bei der KGaA handelt es sich um eine Aktiengesellschaft, die an Stelle eines Vorstandes über persönlich haftende Komplementäre verfügt. Die Anteile der Kommanditisten werden in Aktien zerlegt.

Auch wenn die KGaA Merkmale einer Personengesellschaft aufweist, ist sie trotzdem eine Kapitalgesellschaft. Sie ist eine juristische Person und Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuchs.

Die Aktionäre einer KGa, auch Kommanditaktionäre genannt, haben dieselben Rechte, wie die Aktionäre gegenüber eine AG. Sie bringen das in Aktien zerlegte Grundkapital der KGaA auf. Dabei haften sie jedoch nicht für Forderungen gegenüber der Gesellschaft.

Bildquellennachweis: © CrazyCloud / fotolia.com

2017-07-26T16:14:15+00:00 Von |Gesellschaftsrecht|

Über den Autor:

Dr. Niels George ist erfahrener Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht sowie für Steuerrecht. Außerdem ist er Anwalt für Erbrecht. Die Kanzlei George und Partner unterstützt und begleitet ihre Mandanten in all Ihren Stadien als Geschäftsführer und Gesellschafter.

Hier finden Sie Informationen zu folgenden Themen:

Erbrecht Erbschein Gesellschafter Gesellschafterstreit Gesellschaftsrecht Gesellschaftsvertrag GmbH Haftung Rechtsformen Testament Unternehmensnachfolge Verträge
George & Partner mbB Rechtsanwälte hat 5,00 von 5 Sternen | 52 Bewertungen auf ProvenExpert.com